Debattenbeitrag auf Friesisch

02.03.2023

Regional- und Minderheitensprachen im Deutschen Bundestag

Zum 25. Jahrestag ist die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen nun auf der Tagesordnung des Bundestages. 

Heute ist ein ganz besonderer Tag. Zum einen, weil unsere Regional- oder Minderheitensprachen Niederdeutsch, Friesisch, Sorbisch, Dänisch und Romanes im Deutschen Bundestag Aufmerksamkeit erfahren - das ist ein starkes Zeichen. Aber auch für mich selbst, da ich heute meinen ersten Redebeitrag auf Friesisch halte. Das ist mir ein besonderes Anliegen und eine große Ehre.

Wir können in Deutschland mit Stolz auf unsere Minderheitenpolitik schauen. Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass noch viel zu tun ist: Wir brauchen mehr Verlässlichkeit, auch und besonders in finanzieller Form, für die vielfältige Arbeit der Minderheiten und Volksgruppen. Wir brauchen gerade in der Bildungsarbeit aller Regional- und Minderheitensprachen noch größere Anstrengungen. Hier sind die konstante Möglichkeit für Spracherwerb und Wortschatzerweiterung an Grundschulen sowie weiterführenden Schulen überlebenswichtig. Ich wünsche mir zum Beispiel auch mehr Sichtbarkeit für das Friesische in Radio und Fernsehen.

Ich halte meinen Debattenbeitrag heute ganz bewusst in einer Mundart des Nordfriesischen, dem Bökingharder Friesisch. Die Friesische Sprache ist ein lebendiges und identitätsstiftendes Kulturgut der Friesischen Volksgruppe. Friesisch wird in Deutschland, und zwar in Nordfriesland, auf Helgoland und im Saterland, nur noch von wenigen Tausend Menschen gesprochen. Die Sprache ist deshalb akut bedroht.

Es ist mir deshalb ein Anliegen, für eine bundesweite Stärkung der Wissensvermittlung zu den vier nationalen Minderheiten und Volksgruppen Deutschlands und der Sprechergruppe Niederdeutsch in unseren Schulen zu werben. Als Deutscher Bundestag tragen wir eine große Verantwortung für alle unsere Regional- und Minderheitensprachen. Gerade in Zeiten des Ukrainekrieges erinnere ich daran, dass der Schutz und die Förderung nationaler Volksgruppen und Minderheiten immer auch aktive Friedensarbeit bedeutet.

Ich werbe aus voller Überzeugung dafür, sich aktiv mit der Minderheitenpolitik auseinanderzusetzen. Sie bereitet Freude und ist ein wahrer Schatz, den wir in unserem Land haben. Dass man sich für Minderheitenpolitik einsetzen kann, ohne einer Minderheit anzugehören, ist auch an mir selber ersichtlich. Ich stamme aus dem Süddeutschland und bin zugezogen in Schleswig-Holstein. Aber ich setze mich für unsere Volksgruppen, Minderheiten und den Erhalt des Niederdeutschen ein.

In diesem Sinne: Lassen Sie uns weiterhin gute Minderheitenpolitik für unser Land machen. Foon harten foole tunk!